Blog - Mein Sternenkind Leipzig

Sternenkinder, Sterneneltern und Corona

 

 

Gestern haben wir, mein Mann und ich, uns mit Freunden getroffen - trotz aller angeratenen Regeln, zumindest war es im Freien. Wir haben uns auch umarmt, denn es sind uns liebgewonnene Menschen. Die Stimmung war jedoch die ganze Zeit durchzogen von einer Endzeitstimmung. Ich habe mich unwohl gefühlt und ausgeschlossen, da ich nicht so empfinde. Für mich sind Umarmungen und warmherzige Gespräche wichtig und nähren mich. Und damit auch mein Immunsystem! Und ein starkes Immunsystem ist bekanntlich wichtig für die Abwehr, auch des Coronavirus.

 

Ich habe in die Runde geworfen, was soll denn Schlimmes passieren? In unserem Freundeskreis gibt es chronisch erkrankte Personen und es wurde ins Feld geführt: „Ihr seid gesund, ihr braucht euch keine Sorgen machen. Aber wenn er/sie die Krankheit bekommt, dann sieht es nicht gut aus.“ Heute empfinde ich Wut und Nicht-gesehen-werden. Gestern in der Runde fühlte ich ein Unwohlsein und ich wusste nicht woher. Es hat mich ohnmächtig und sprachlos hinterlassen.

Die Trauer über unsere Kinder hinterlässt viele Ein- und Ausdrücke in uns Sterneneltern. Sie bringt somatische Reaktionen hervor, beeinflusst unseren kognitiven Bereich und bringt unser Gefühlsleben durcheinander. Sie wirkt in unserem gesamten System und auf alle Ebenen unseres Seins. Und sie schwächt auch unser Immunsystem!

 

Was mich noch bei dem Satz „Was soll denn Schlimmes passieren?“ bewegt hat, ist die Angst, die in der Runde zu spüren war. Ich empfinde diese Angst nicht. Ich weiß nicht, ob da der folgende Gedanke hier Platz hat oder ob er überhaupt zulässig ist, aber er bewegt mich und vielleicht ist dies mein Weg damit umzugehen. Ich frage mich wirklich: Wovor haben die Menschen Angst, warum reagieren alle mit so einer großen Furcht? Wir Sterneneltern haben eines unserer liebsten Menschen verloren. Wir haben unser Kind sterben sehen. Wir haben Leben und Tod in einem Augenblick in den Händen gehalten. Es gibt wohl kaum ein Erlebnis, das mehr gegen den Lebensfluss läuft. Und genau das macht unsere Trauer um so schwieriger, lässt uns aber auch einen anderen Blick auf das Leben bekommen. Ich fühle keine Angst vor dem Virus, auch nicht vor dem Tod. Die Liebe, die der Tod unserer Klara in mein Leben gebracht hat, möchte ich nicht missen. Und wahrscheinlich trägt sie mich durch mein Leben auch in diesem Zeitabschnitt. Im Grunde fühle ich mich gestärkt und weiß: Ich kann mein Leben nur jeden Tag und jeden Moment genießen und es mir schön machen. Schade, dass ich das meinen Freunden gestern nicht vermitteln konnte. Aber vielleicht auf diesem Wege. Wir wachsen halt alle immer und beständig.

 

Wir können uns also auch dadurch heilen, dass wir uns mit lieben Menschen treffen, nährende Gespräche führen, uns trösten, uns rausnehmen aus dem Alltag und unserer Kindern gedenken, und uns vielleicht auch umarmen…

 

Der SternenelternTreff am 24.03.2020 bleibt in diesem Sinne als Angebot bestehen, sollte es keine behördliche Anordnung geben. Ich möchte an diesem Abend Wunschblumen mit euch basteln und schauen, wie unsere Wünsche erblühen, wenn wir die geschlossenen Knospen ins Wasser legen (wie auf dem Foto).

 

 

Alles Liebe Anja Kater

 

gepostet am 16.03.2020

Liebe Sterneneltern,

 

nun waren unsere Termin für das erste Halbjahr fest geplant und jetzt hat sich doch wieder alles verändert. Wir Sterneneltern kennen das ja gut!

Ich habe eine Ahnung, dass es dieses Jahr noch einige Veränderungen geben wird. Die Selbsthilfegruppe gedeiht und beginnt gerade zu erblühen. Das ist schön, da die Natur ja auch gerade wieder am Erblühen ist und Mein Sternenkind Leipzig somit im natürlichen Fluss ist :)

Im Moment ergeben sich neue Kontakte und dadurch neue Ideen. Es kommen neue Mitwirkende hinzu, die ihre Inspirationen in die Gruppenarbeit einbringen.

Aktuell haben wir die Gruppentreffen nun auf Dienstagabend verschoben und es gibt keinen regelmäßigen Turnus. Bitte schaut einfach immermal wieder auf der Seite nach, wie die aktuellen Termine liegen.

Der nächste Termin ist am Dienstagabend, den 25.02.2020 und ich werde das erstemal eine begleitete Trauergruppe anbieten. Ich freue mich sehr darauf, mein neues Wissen aus meiner laufenden "Ausbildung zum Trauerbegleiter" bei Maria Förster www.trauerarbeit-maria-foerster.de am Institut Sven Krieger einbringen zu können. Bitte meldet euch unbedingt vorher an, damit ich weiß, wieviele Sterneneltern ich erwarten darf.

 

Alles Liebe und vielleicht lernen wir uns bald persönlich kennen

Anja Kater

 

gepostet am 15.02.2020